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Wirtschaft: Schlimm und noch viel schlimmer

Leeres KaufhausLeeres Einkaufszentrum (in Pattaya), Foto: TIP-Archiv

Das erste Halbjahr 2019 ist bereits vergangen und es ist allgemein bekannt, dass die thailändische Wirtschaft nicht in guter Verfassung ist. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist von 3,7 Prozent im letzten Quartal 2018 im ersten Quartal dieses Jahres auf 2,8 Prozent gesunken.

Obwohl die offiziellen Zahlen bezüglich des BIP-Wachstums für das zweite Quartal noch nicht publik gemacht wurden, deuten Rohdaten von April bis Juni auf ein schwächeres zweites Quartal hin, insbesondere in den Bereichen Export und Tourismus.

Gut oder schlecht, das erste Halbjahr 2019 ist Vergangenheit, und die Zukunft gehört dem Rest der zweiten Jahreshälfte. Wie also sind die Aussichten für die thailändische Wirtschaft? Die kurze Antwort: Schlimmer – und es wird wahrscheinlich noch viel schlimmer.

Bevor wir in die Zukunft blicken, schauen wir uns die Vergangenheit an. Ich beginne nie mit den BIP-Zahlen der Regierung, um die Wirtschaft zu analysieren, da es immer wieder offizielle Zahlen gibt, die mit anderen Sektoren unvereinbar sind. Beim Internationalen Währungsfonds (IWF) wurde mir beigebracht, dass die BIP-Zahlen, die technisch als „realer Sektor“ bezeichnet werden, mit anderen Wirtschaftssektoren wie dem Währungs-, dem Finanz- und dem Außensektor übereinstimmen müssen.

Deshalb habe ich mir eine genauere Messung der Wirtschaft ausgedacht, die ich als „bereinigtes BIP“ bezeichne. Auf bereinigter BIP-Basis beträgt das BIP-Wachstum für das erste Quartal dieses Jahres 0,3 Prozent und nicht 2,8 Prozent, wie vom Nationalen Rat für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (NESDC) ermittelt, was darauf hinweist, dass es der thailändischen Konjunktur alles andere als gut geht.

Tatsächlich geht die thailändische Wirtschaft unter Verwendung des bereinigten BIP seit dem dritten Quartal des vergangenen Jahres stark zurück. Hauptursache ist das negative Exportwachstum von Gütern und Dienstleistungen. Es sollte nicht vergessen werden, dass der Export von Waren und Dienstleistungen 77 Prozent des thailändischen BIP ausmachen. Ein Rückgang der Exporte um fünf Prozent führt rechnerisch zu einem Rückgang der Wirtschaft von 3,8 Prozent. Im ersten Quartal betrug das Exportwachstum – 4,9 Prozent, das BIP-Wachstum jedoch + 2,8 Prozent. Jetzt sehen Sie, dass da etwas nicht stimmen kann und warum ich die offiziellen BIP-Zahlen in meiner Analyse anpasse.

Der Rückgang der Exporte dürfte die thailändische Wirtschaft weiterhin belasten. Leider gibt es im zweiten Halbjahr 2019 vier weitere negative Faktoren, die die Wirtschaft herausfordern.

Die erste der vier großen Herausforderungen ist die schwächere Weltwirtschaft. Da sollte aber der Handelskonflikt, manchmal sogar als Handelskrieg bezeichnet, zwischen den USA und China als Grund genannt werden. Meiner Ansicht nach ist der Handelskonflikt eine „Wirkung“, keine „Ursache“.

Der eigentliche Schuldige ist eine Dekade des Überkonsums und der Überinvestitionen. Alles begann im Jahr 2008. Um den Auswirkungen der Lehman-Brothers-Krise entgegenzuwirken, haben Zentralbanken und Regierungen unglaublich viel Geld in ihre Volkswirtschaften gesteckt.

Eine übermäßige Geldmenge führt zu Konjunkturblasen, und seitens der US-Notenbank wird die Luft aus den Blasen abgelassen, bevor sie platzen. Eine rückläufige Wirtschaft bedeutet jedoch höhere Arbeitslosigkeit.

US-Präsident Donald Trump wollte das nicht. Amerikanische Jobs mussten aus China zurückgeholt werden. Das Ergebnis ist der berüchtigte Handelskonflikt zwischen den USA und China, der 2018 begann. Während die Weltwirtschaft weiter nachlässt, dürften sich die Handelskonflikte verschärfen. Leider bedeutet eine schwächere Weltwirtschaft, genauer gesagt eine Wirtschaftsflaute in China, weniger Exporte aus und weniger Touristen in Thailand.

Die zweite Herausforderung ist eine schwierige inländische Wirtschaftsstruktur. Die thailändische Wirtschaft ist sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite in Schwierigkeiten. Der Inlandskonsum ist mit einer hohen Verschuldung der Privathaushalte behaftet. Die Bank of Thailand schätzt, dass die Verschuldung der Privathaushalte bis Ende dieses Jahres 80 Prozent oder mehr erreichen wird.

Damit stünde Thailand an der Spitze der globalen Liste bezüglich der Verschuldung der Privathaushalte. Natürlich muss die Zentralbank eingreifen, um diese Kreditvergaben einzudämmen, was zu einer deutlichen Verlangsamung des Konsums langlebiger Güter führt. Der Trend wird sich in der zweiten Jahreshälfte beschleunigen, da neben einer sich abschwächenden Konjunktur auch die Zahl der Kredite mit Zahlungsverzug steigt.

Auf der Produktionsseite hat Thailand in den letzten fünf Jahren etwa 20 Prozent der Arbeitsproduktivität eingebüßt. Der Produktivitätsverlust ist größtenteils auf fehlende Investitionen in die Modernisierung von Fabriken zurückzuführen. Das durchschnittliche Investitionswachstum liegt bei nur 2,7 Prozent pro Jahr, während ein Mindestinvestitionswachstum von fünf Prozent erforderlich ist, um die Produktivität aufrechtzuerhalten. Dieser starke Verlust an Wettbewerbsfähigkeit ist die wahre Ursache für den Rückgang der thailändischen Exporte und nicht für die Verlangsamung der Weltwirtschaft.

Die Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums von 3,9 Prozent im Jahr 2018 auf 3,2 Prozent im Jahr 2019 (IWF-Prognose vom Juli 2019) führte nicht zu einem Rückgang der thailändischen Exporte um 4,9 Prozent im ersten Quartal. Laut einem Experten ist der Mangel an privaten Investitionen, insbesondere aus Japan, direkt darauf zurückzuführen, dass Thailand der Transpazifischen Partnerschaft nicht beigetreten ist. Ohne klare Richtung im internationalen Handel beschlossen die japanischen Hersteller, Thailand aus ihrer globalen Lieferkette zu streichen. Der starke Baht verschlechtert die Lage weiterhin.

Die fallende Kaufkraft und die mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit sind nicht die einzigen innenpolitischen Probleme der thailändischen Wirtschaft. Die Ablösung des Groß- und Einzelhandels durch den elektronischen Handel ist ein weiterer schwerer Schlag für die Konjunktur. Der thailändische Groß- und Einzelhandel erwirtschaftet ein jährliches Einkommen von 2,7 Billionen Baht (16,6 Prozent des BIP) und beschäftigt 6,5 Millionen Arbeitnehmer. Die Schließung oder Verkleinerung von Einzelhandels- und Großhandelsgeschäften bedeutet ein geringeres BIP. Ich kann garantieren, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2019 noch viel mehr Schließungen und Verkleinerungen geben wird.

Die dritte Herausforderung ist die Regierung. Es sind nicht nur die äußeren und inneren wirtschaftlichen Bedingungen, die besorgniserregend sind. Die neue Regierung ist selbst Grund zur Sorge. Trotz der oben beschriebenen großen Schwierigkeiten wird keines dieser Probleme in dem Manifest der Regierung erwähnt, das zu Beginn der Legislaturperiode dem Parlament vorgelegt wurde.

Im Gegenteil, die Regierung unterliegt einem Irrglauben, wenn sie meint, dass Privathaushaltsschulden auf mangelnde Finanzdisziplin zurückzuführen sind, insbesondere bei einkommensschwächeren Gruppen, die zudem nicht genügend Steuern zahlen.

Es sollte hervorgehoben werden, dass die effektiven thailändischen Steuersätze in den ASEAN-Staaten am höchsten sind. Unser effektiver Steuersatz beträgt 17,6 Prozent gegenüber 14,6 Prozent in Singapur, 13,6 Prozent in Malaysia und 11,5 Prozent in Indonesien. Darüber hinaus stammen 36 Prozent unserer gesamten Steuereinnahmen aus der Mehrwertsteuer, während die Mehrwertsteuer nur 13 Prozent der gesamten Steuereinnahmen der Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ausmacht. In reichen Ländern tragen die Verbraucher viel weniger zur Steuerbelastung bei als die armen Bürger in Thailand.

Die vierte Herausforderung ist die Dürre. Ich bin kein Experte bei diesem Thema, aber ich bete, dass die Dürre der Wirtschaft keinen allgemeinen Schaden zufügt.

Vier ernsthafte Herausforderungen. Was ist für den Rest des Jahres zu erwarten?

Chartchai Parasuk ist ein freiberuflicher Wirtschaftswissenschaftler

Erschienen in der TIP-Ausgabe 2019-9

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