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Dachschäden und skrupellose Handwerker

Veröffentlicht am 21. August 2019

Low

Als 2004 mein Häuschen errichtet wurde, war ich fast täglich auf der Baustelle. Zwecks eines Visa-Runs musste ich einen Tag nach Mae Sai verreisen. Am nächsten Tag sah ich, dass der Sanitär-Installateur mitten im Badezimmer ein 4 Meter langes Mäuerchen, etwa 15 auf 15 Zentimeter errichtet hatte. Stufen sind unnötige Hindernisse für Rollstuhlfahrer. Er war zu faul, um die Wasserleitungen in den Boden zu verlegen. Nach einer Woche war der Pfusch behoben.

Das Dach wurde gedeckt. Auf der Veranda entdeckte ich in der Höhe ein Loch im Giebel. Ich machte den Chang, den Bauführer, darauf aufmerksam und zeigte ihm die Fotografie. Er verzichtete großzügig auf eine Reparatur.

Der erwähnte Schraubenschlüssel-Sanitäter war ein gut getarnter Attentäter. Als das Wasser aufgedreht wurde, flossen Bächlein aus den elektrischen Steckdosen der Veranda. Der plumpe Plumber wollte die Fliesen aus der Küchenwand heraus spitzen. Er musste den Schaden von der Außenseite her beheben.

Nach ungefähr 2 bis 3 Jahren, tropfte von oben Wasser auf die Gipsdecke. Ich informierte den Chang während Jahren. Er sah sich den Schaden mehrmals an. Erst war es ein feuchter Fleck an der Decke, dann entstand ein Löchlein, später ein Loch. Er sagte mir lächelnd, er würde ein neues Haus bauen, aber den Fehler repariere er nicht.

Dieses Jahr suchte Dick Handwerker, um den Schaden zu beheben. Ein besonders fieser Kerl nahm 1500 Baht Anzahlung und ließ sich nicht mehr blicken.

Dick bat mehrere Arbeitsgruppen um Kostenvoranschläge. Die Preisvorstellungen lagen zwischen 50.000 und 100.000 Baht.

Einer der Anbieter kletterte aufs Dach, reparierte das Leck, kam herunter und sprach:
„Die Dachreparatur geht auf meine Kosten. Für eine neue Decke und den Ersatz der Holzabdeckungen unter den Dächern rund ums Haus möchte ich 70.000 Baht.“

Petrus sandte eine gewitter-schwangere Wolke, öffnete die Schleusen und prüfte die Dichtheit des Daches. Der Mann hatte seinen Job und führte ihn sauber und gewissenhaft aus. Leider verstarb er vor kurzem bei einem Verkehrsunfall. Der Intelligenzquotient im Lande sank, denn der alkoholisierte Verursacher, mit Dach- und Leberschaden, überlebte.

 

Dachschäden sind ordentliche Funktionsstörungen und nie ganz auszuschließen

Veröffentlicht am 25. August 2019

Zu Beginn der Geschichte überspringe ich den Schädel. Es war Ende der 50er Jahre, als in Bern der leitende Professor seinen Assistenten erklärte, bei jedem Krankenhaus-Eintritt müsse eine Rektaluntersuchung durchgeführt werden.

Ein Mann mit Wespenstich wurde eingeliefert.

Der gehorsame Doktor befragte den Patienten, zog Gummihandschuhe an und untersuchte den Darmausgang. Ein kranker Freund erzählte mir die Geschichte und meinte trocken:
„Der Herr Doktor wollte offenbar die Tiefenwirkung des Stichs erforschen.“

Im Lande bettelnder Elefanten und schwerreicher Mönche sind die Bräuche nicht so streng. Patienten erzählen dem Arzt ihre Leiden und erhalten ohne weitere Untersuchungen ein Pfund bunte Pillen.

„Je größer und farbiger die Menge der Pillen ist, desto qualifizierter ist der Arzt.“, weissagte bereits Lord Buddha.


Nur selten berührten mich Mediziner. Einige Tage nach erfolgter Einlieferung besuchte eine neugierige Neurologin mein Zimmer. Sie verhörte mich, wie ein Kriminalkommissar einen Schurken befragt. Sie sprach mit hoher Bitrate einige Stichworte, von welchen ich auswählen durfte, ob sie zutreffend seien. Sie lag mit ihrem Fragenkatalog vollständig daneben. Sie benutzte weder Gummihammer, noch machte sie Sensibilitätstests. Dann erklärte sie der assistierenden Pflegerin, sie könne mir nichts glauben. Offenbar hätte ich einen Dachschaden, eine Altersdemenz. Nachher vergaß sie mich wahrscheinlich.


Das Gehirn als modernes Werkzeug einzusetzen, lernen die Menschen hierzulande nicht. Wozu denn wurden Taschenrechner und Smartphones erfunden?

Mowgli war bei mir im Spital-Zimmer. Wir verspürten Hunger. Im Krankenhaus gibt es ein amerikanisches Kaffee. Ich bat den jungen Erwachsenen, im Geschäft eine Portion Garnelen mit Reis zu bestellen. Auf dem Weg vom fünften in den ersten Stock vergaß der Tölpel, was ich ihm auftrug. Er kam mit einer Schüssel Tom yam goong, Garnelensuppe, zurück.

Seit 2012 lernte der Knabe nichts mehr in der Schule. Die Lehrer versicherten, Mowgli sei einer der Besten, damit wir Schulgeld bezahlten.

Betriebssysteme, Englisch, ohmsches Gesetz, Pythagoras gingen vergessen. Ich zog die Notbremse und zahlte nicht mehr.


Die Pflegerinnen sind stark geschminkte, aber bescheidene Intelligenzbestien. In einer Distanz von etwa vier Metern vom Bett sind die Schalter der Klimaanlage montiert. Die Frauen vergaßen auf dem langen Fußmarsch meinen Wunsch, die Klimaanlage auszuschalten. Peinlich ist es für mich, wenn ich keinen Klingelknopf habe. Einen Knopf, um im Bedarfsfall Hilfe anzufordern. In sechs Monaten musste ich sechs Mal das Spital anrufen, mit der Bitte um eine Klingel.

Die tägliche Körperpflege weist Schönheitsfehler auf. Nur in Ausnahmefällen wird alles gewaschen. Üblich sind zwischen 50 und 70 Prozent, wobei die Ohren nicht zum Körper gehören. Dies führte zum Wachstum von Ohrenschmalz-Kristallen.

Die Haut mehrerer Pflegerinnen leidet unter den Fett- und Puderschichten. Wenig appetitliche Pickel und Pusteln sprießen.

Sie tragen Mundschutz und Latexhandschuhe. Bevor sie die Patienten berühren, fahren sie mit den Fingern durch ihr Haar, betasten Schränke, Mobiliar und kratzen an beißenden Hautunreinheiten.

Die jungen Frauen stammen oft aus bescheidenen bis ärmlichen Familien. Sie kennen weder Badezimmer noch Kühlschränke aus eigener Erfahrung. Als ich um einen Löffel zum Verspeisen des Bananenküchleins bat, öffnete eine Pflegerin den Kühlschrank.

Unter den Frauen gibt es langsame und schnelle, grobe und feine und fleißige und faule.

Dazu ein alpenländisches Gedicht aus dem letzten Jahrhundert:

Bim Ässe ine lige
Bim Trinke hingere lige
Bim Schaffe zrugg schtah,
Un en Angere zueche la

Einer Freundin, die mich besuchen wollte, wurde von den Stars der chinesisch-siamesischen Gauklertruppe erklärt:
„Der Löwe ist nach Hause gegangen worden“, wobei Loewe die Kurzform von Low und Loeli ist.

 

Micropore Windows

Veröffentlicht am 1. September 2019

Jetzt ist mir endlich ein Licht aufgegangen. Ich schrieb früher: „Low erzählt Geschichten aus Südostasien.“

Das ist wahr geworden. Ich tippe nicht mehr. Ich erzähle mühsam. Wenn über dem Zimmer die Bohrhämmer die Wände erzittern lassen, versteht mein Fingerphone chinesisch.

Sofern sie meine Berichte aus dem Krankenhaus gelesen haben, werden sie sich sicher Gedanken gemacht haben, der arme Kerl ist in einem drittklassigen Krankenhaus abgestiegen. Dies entspricht nicht den Tatsachen.


Das Krankenhaus wurde vor fünf Jahren eröffnet. Es ist vielleicht nicht das beste, aber wohl das teuerste Krankenhaus in Chiang Mai.

Die Katarakt-Operation kostete zweieinhalb mal so viel, wie in der eigentlich teuren Schweiz. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 80.000 Baht. Die eigentlichen Kosten übertrafen 160.000 Baht.

„Deine Sehschwäche ist die Ursache falscher Ernährung“, erklärte ein aufgeklärter Mensch. „Anstelle von Wachteleiern solltest du Straußeneier fressen. Das erspart jegliche Seh-Prothesen.“


Mit der Ärztin und der Chirurgin bin ich außerordentlich zufrieden. Ein besonderer Glücksfall ist, dass sich Dick nicht vom sinkenden Dampfer schweigend verabschiedete, sondern sich um mich kümmert. Wer sonst würde Tee und Speisen zubereiten? Danach füttert sie gekonnt das Raubtier.

Dies sollten doch die Pflegerinnen übernehmen, denken sie. Nicht hierzulande. Diese Arbeiten übernimmt die Familie. Die uniformierten Pflegerinnen verpflegen sich und schlucken meine Ricola und Toblerone. Bei seltenem Hustenreiz ist die Dose leer.


Wenn die Herren immer noch mit Bohrmaschinen arbeiten, zeigt das nur, dass vor fünf Jahren zu viel Zement verarbeitet wurde. Die Patientenzimmer müssen alle paar Wochen renoviert werden. Ähnlich patiniert sehen nach kürzester Zeit auch Mietwohnungen aus. Die Farbschichten sind mittlerweile fast dicker, als die Wände selbst. Hoffentlich warten Thais ihre Flugzeuge nicht wie ihre Gebäude.


Eine Fensterscheibe hatte einen Riss in einer Ecke. Die Aussicht ist wenig spektakulär: etwas Kies, damit das Regenwasser abfließen kann. Weiter oben gedeiht Grünzeug, darüber ist je nach Wetter blauer bis grauer Himmel.

Der Riss wurde repariert. Fachgerecht, wie in einem kranken Haus üblich, benutzten die Spezialisten Micropore-tape von 3M (Scotch).

Negativ für ein Krankenzimmer würde ich die Fungus-Spuren in der Ecke beurteilen. Fungus fanden wir auch im Badezimmer, in der Kochnische und nicht auszuschließen, in der Klimaanlage.

Gibt es eine App für die allgemeine Anwendung von Micropore, speziell für Fenster, Micropore Windows?

In mir schlummert eine geniale Idee, etwas für sparsame Schotten. Mit Hilfe von 3M-Klebern ließen sich verschmutzte Pampers einfach umkehren und wiederverwenden. Auslöser meines Tatendranges war die Mitteilung der Versicherung, dass Pampers-Windeln nicht bezahlt würden.


Erschienen in der TIP-Ausgabe 2010-10

Mehr von Low: www.hinterindien.com

Der Autor Low lebt im Ruhestand in der Nähe von Chiang Mai. Seine Erlebnisse in Thailand sind in seinem Buch „Erlebnisse eines Besserwissers in Thailand“ erschienen und für 250 Baht beim TIP erhältlich.

 

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