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Das Recht auf einen guten Tod

Thailand, HospitalFoto: TIP-Archiv

Wir wissen vielleicht nicht, wann der Tod zuschlägt, doch wir können ganz sicher wählen, einen guten Tod zu haben. Wenn Sie aber nicht wissen, wie Sie das machen sollen, dann sind Sie nicht allein.

Das Recht auf einen guten Tod ist das Recht auf natürliche Weise hinüberzugehen und friedlich ohne große Schmerzen und teure lebensverlängernde Maßnahmen und Medikamente zu sterben.

Es ist das Recht, mit Würde zu gehen.

Alle Thais haben jetzt das Recht, bei tödlichen Erkrankungen auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichten zu können. Dennoch wissen das viele Leute nicht. Auch wissen sie nicht viel über krankheitsmildernde Behandlungen, die todkranke Patienten „natürlich“ und bequem sterben lassen, anstatt sie künstlich am Leben zu halten.

Laut einer kürzlich angefertigten Studie zu diesem Thema, die vom thailändischen Forschungsinstitut (TDRI) in Auftrag gegeben wurde, wissen über 75 Prozent der Thais nicht, dass es krankheitsmildernde Behandlungen für unheilbar kranke Patienten gibt. 79 Prozent wissen nicht, dass man eine Patientenverfügung aufsetzen kann, in der man festhält, dass man lebensverlängernde Maßnahmen unter Zuhilfenahme moderner Technologien ablehnt.

Warum will sich die Mehrheit der Thais nicht auf einen guten Tod vorbereiten? Der Grund ist einfach. Es ist immer noch ein Tabu in der thailändischen Gesellschaft, über den Tod zu sprechen. Das Thema anzuschneiden, wird als schlechtes Omen, ja als Fluch angesehen.

Selbst, wenn man selbst keine Angst vor dem Tod hat, sollte man nicht darüber reden. Zum Beispiel über einen todkranken Familienangehörigen, der bald sterben wird, und man besprechen möchte, wie sich die Familie auf diesen Todesfall vorbereiten soll. Das wird als grob unhöflich, geradezu als blasphemisch angesehen.

Solche Tabus lassen sowohl Patienten als auch Familie unvorbereitet, wenn der kritische Zeitpunkt kommt. Ohne Testament bzw. Patientenverfügung könnte der Patient womöglich entgegen seinen Wünschen an lebensverlängernde Maschinen angeschlossen werden, was womöglich zu größeren körperlichen Schmerzen führt.

Mit der trotzigen Nutzung teurer medizinischer Erfindungen kann der Tod nicht besiegt werden. Dennoch wird dies von Familienmitgliedern als Akt der Liebe und der Dankbarkeit angesehen. Öfter als selten endet dies damit, dass die Familie Schulden auftürmt.

Die thailändische Bevölkerung wird sehr schnell immer älter. Es ist daher immer dringender, sich Fragen der Palliativmedizin und Hospizarbeit zu stellen und es zu erlauben, dass Sterbepatienten einen natürlichen Tod sterben dürfen. Das ist nicht nur die bessere Option für den Patienten, sondern auch weniger kostspielig für die Familie und das Gesundheitswesen.

Das Gesetz unterstützt hier. Laut Abschnitt 12 des Nationalen Gesundheitsgesetzes hat eine Person das Recht, im Wege einer Patientenverfügung zu bestimmen, dass keine medizinischen Erfindungen gebraucht werden, nur um das Leben des Sterbepatienten zu verlängern. Der Patient kann lebenserhaltende Maßnahmen ablehnen, falls diese nur dazu dienen, schwere Leiden zu verlängern.

Das ist das Recht auf einen natürlichen Tod, einen guten Tod.

Wer nicht im Voraus plant, wird ein böses Erwachen haben. Die medizinischen Kosten sind geradezu enorm und dienen nur der Lebensverlängerung, die in diesem Stadium zumindest umstritten ist.

Das ist im Übrigen ein globales Phänomen. Als der Nobelpreisgewinner Leon Lederman letztes Jahr starb, erinnerte man sich an ihn nicht nur wegen des Nobelpreises für experimentelle Physik, sondern auch, weil er seinen Nobelpreis verkauft hatte, um die medizinische Behandlung bezahlen zu können.

Die Weigerung der Gesellschaft, einen guten Tod zu akzeptieren, trifft auch Leute, die chronisch krank sind und große Schmerzen haben. Das war der Fall bei Vis Arshanakh, der entschied, Sterbehilfe in der Schweiz in Anspruch zu nehmen. Er berichtete auf Facebook über seine Entscheidung. In Thailand wurde daraufhin diskutiert, wie es mit Sterbehilfe im Beisein eines Arztes aussieht. Wie in vielen anderen Ländern ist Sterbehilfe in Thailand illegal.

Viele Leute verwechseln einen natürlichen Tod ohne medizinische Intervention mit Euthanasie. Das ist nicht der Fall. Es ist ein Weg Richtung traditionellem Tod. Ein friedlicher, natürlicher Tod, bevorzugt im Kreis der Lieben. Die Option eines guten Todes ist in Thailand legal.

Die Patientenverfügung, obwohl legal, wird von Verwandten womöglich nicht anerkannt, weil es um den Tod geht. Vor allem dann, wenn der Patient nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen durchzusetzen.

Daher ist es wichtig, dass diese Patientenverfügung im gemeinsamen Einverständnis mit Patienten und Familienangehörigen aufgesetzt wird. Vorher sollten objektive Informationen über medizinische Optionen und Konsequenzen des Wunsches des Patienten eingeholt werden.

Da viele Ärzte das Gesetz fürchten, wenn es um todkranke Patienten geht, müssen diese Ärzte rechtlich geschützt werden, wenn sie den Willen des Patienten umsetzen. Langfristig würde sich durchsetzen, dass Leute das Recht darauf haben, in Würde zu sterben.

Es ist für eine immer älter werdende Gesellschaft sehr wichtig, dass man eine Patientenverfügung aufsetzt und die Familie darauf vorbereitet, dass sie den Willen des Kranken akzeptiert. Das verhilft den zum Tode geweihten Patienten zu einem komfortablen Übergang, wenn sie ihren letzten Atemzug tun. Gleichzeitig werden Familien vor dem finanziellen Ruin bewahrt.

Wenn ein Patient zu Hause im Kreise der Familie stirbt, wird das nicht nur sein Wunsch sein, sondern auch Kosten sparen. Das Gesundheitswesen wird entsprechend weniger belastet. An unheilbarem Krebs erkrankte Patienten, die in der Allgemeinen Krankenversicherung versichert sind und stationär behandelt werden, kosten in ihrem letzten Lebensmonat 45.000 Baht. Ambulante Patienten, die entsprechend palliativ zu Hause versorgt werden, kosten rund 27.000 Baht.

Wannapha Kunakornvong arbeitet als Forscherin für das thailändische Forschungs- und Entwicklungsinstitut.

Übersetzung eines englischsprachigen Artikels aus der Bangkok Post.
Erschienen in der TIP-Ausgabe 2019-6.
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