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Gesundheit: Versagen in der Krise

Gesundheitsminister Anutin hält nichts von Ausländern ohne Mundschutz. – Foto: Unsplash

Durch die Feinstaubbelastung und den Coronavirus-Ausbruch wurde unsere Verwaltung Thai Style auf den Prüfstand gestellt. Die Ergebnisse sind enttäuschend, schreibt Kolumnist Atiya Achakulwisut.

Premierminister General Prayuth Chan-ocha hatte Ende Januar versucht, die wachsenden Befürchtungen über das neuartige Coronavirus Covid-19 zu zerstreuen, das bis zu diesem Zeitpunkt nach offiziellen Angaben etwa 100 Menschen getötet und sich auf der ganzen Welt verbreitet hat. Er bestand darauf, dass die Regierung die Situation unter Kontrolle habe. Flugzeuge seien in Bereitschaft, um Thais aus dem vom Virus heimgesuchten Wuhan nach Hause zu bringen, wenn eine Anfrage vorliege und China daraufhin seine Erlaubnis erteile.

Wahrscheinlich in Eile, seine Voraussicht zu demonstrieren, sagte der Premierminister, er habe schon einen Monat zuvor Vorbereitungen für Evakuierungsflüge angeordnet.

Dies würde darauf hinweisen, dass der Premierminister hellsichtig war, da die chinesischen Behörden die mysteriöse Infektion erst am 7. Januar als neuartiges Virus aus der Coronafamilie identifizierten, während Fälle außerhalb Chinas erst Mitte Januar bestätigt wurden.

Die Prahlerei des Premierministers ist ein kleiner Fehler im Vergleich zu der großen Verwirrung in der Öffentlichkeit, die durch die mangelhafte Reaktion seiner Regierung auf die Gesundheitsbedrohung verursacht wurde.

Premierminister General Prayuth sagte Ende Januar, dass man in Kürze Zentren zur Verbreitung von Informationen an die Öffentlichkeit einrichten werde. Das war aber zu spät. Der erste Coronavirus-Fall in Thailand, das war auch der erste außerhalb Chinas, wurde am 13. Januar gemeldet. Abgesehen davon führte Thailand schon sogleich die Rangliste der nicht-chinesischen Länder mit den meisten Coronavirus-Fällen an.

Inzwischen ist das anders. Am 15.  Februar lag Japan mit 408 Fällen an der Spitze (allein 355 auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“, das in Yokohama vor Anker liegt), es folgten 72 in Singapur und 56 in Hongkong.

Wenn Premierminister General Prayuth wirklich schon vor einem Monat an den Evakuierungsplan gedacht hätte, hätte er Mitte Januar einen Krisenstab bilden, Informationszentren und Hotlines für die Öffentlichkeit einrichten sollen, und nicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Wenn die Regierung eine Idee gehabt hätte, wie sie mit einer Epidemie umgehen soll, hätte sie gewusst, dass es entscheidend ist, den Informationsfluss zu kontrollieren. Wenn sich eine Krankheit ausbreitet, wächst die Angst und es kommt zu Fehlinformationen und möglicherweise Panik in der Öffentlichkeit. Sobald dies geschieht, wird es sehr viel schwieriger, mit der Situation umzugehen.

Dies zeigt sich in der Verwirrung über die Thermoscanner an Flughäfen, die für ankommende Touristen installiert wurden. Es wurde berichtet, dass diese Scanner wieder abgebaut wurden, nachdem China alle Flüge aus Wuhan abgesagt hatte. Die Nachricht löste einen öffentlichen Aufschrei aus, weil sich das Virus zu diesem Zeitpunkt auf andere Gebiete in China sowie auf Hongkong und Länder in Europa ausgebreitet hatte. Daraufhin wurden die Scanner wieder aufgebaut.

Um die Gefahr einzudämmen, stellten Länder wie die Philippinen oder Sri Lanka keine Visa mehr für chinesische Staatsangehörige aus. An Thailand ging das alles vorbei.

Und anstatt einen offiziellen Kanal zu nutzen, um deutlich zu machen, welche Maßnahmen für welche Flüge gelten, ging Gesundheitsminister Anutin Charnvirakul auf seine Facebook-Seite, um dort rhetorisch zu fragen, welchen Sinn Thermoscanner machten, wenn es doch keine Flüge mehr aus Wuhan gäbe.

Der Minister ging die Kritiker an und schrieb, sie sollten einmal ihre grauen Zellen anstrengen und ein wenig nachdenken, bevor sie Kritik übten.

Sein Posten stieß auf heftige Kritik, vor allem, dass der Minister hätte wissen müssen, dass das Coronavirus nicht nur aus Wuhan stammen kann. Schließlich stellte die Behörde für Krankheitskontrolle sicher, dass auf internationalen Flughäfen weiterhin Scans bei Passagieren durchgeführt wurden, wenn diese aus Orten kamen, von denen die Infektion gemeldet wurde.

Das hat Minister Anutin nicht aufgehalten. Wahrscheinlich in der Eile, die Menschen zu beruhigen, gab Herr Anutin daraufhin ein Interview, in dem er sagte, er persönlich betrachte die neuartige Coronavirus-Infektion als „eine Art Erkältung“.

Nur um später Ausländer zu beschimpfen, die keinen Atemschutz trugen. Bei einer PR-Aktion hatte Anutin in Bangkok Atemmasken an Bangkoker verteilt. Als mindestens ein Ausländer diese Maske ablehnte, beschimpfte er in den Medien die Ausländer als (frei übersetzt) „Pack“, das aus dem Land geworfen werden müsse, wenn es denn keine Atemmasken benutzen wolle.

Die Unzulänglichkeiten der Regierung bei der Bewältigung des Coronavirus-Ausbruchs sind Wiederholungen ihrer Inkompetenz angesichts der Feinstaub-Krise.

Sie scheint mit der Situation nichts anfangen zu können. Sie versteht die Natur des Problems nicht. Sie vertraut auf ein umständliches bürokratisches System, das sich schon in normalen Situationen immer wieder als unwirksam erwiesen hat, geschweige denn in Krisenzeiten.

Ohne Intelligenz, die Komplexität dieser neuen Bedrohungen zu begreifen oder den Mut, sich von dysfunktionalen Normen zu lösen, um effektivere Lösungen zu finden, ergreift die Regierung nur oberflächliche Maßnahmen. Diese gipfeln häufig in der Bekämpfung der Wirkung, nicht der Ursache.

Die Installation von riesigen Luftreinigern in öffentlichen Räumen wie dem Victory-Monument in der Hoffnung, dass die Luft sauberer wird, gehört zu diesen Maßnahmen.

Als Premierminister General Prayuth unter Druck gesetzt wurde, zu sagen, inwieweit die Regierung auf das Coronavirus vorbereitet sei, kehrte er zu seinen alten Textbausteinen zurück, indem er meinte, er habe alle erforderlichen Anweisungen gegeben, und die zuständigen Ministerien arbeiteten zusammen.

Er sagte, die Regierung müsse die Öffentlichkeit nicht ständig darüber informieren, woran sie arbeite.

Damit fasste er in einem Satz zusammen, dass die Regierung nichts begriffen hat.

Bei einer sich ausbreitenden, neuartigen Krankheit sind Informationen in erster Linie wichtig. Ein gewisses Maß an Wachsamkeit ist von entscheidender Bedeutung, da erwartet wird, dass jeden Tag neue Daten auftauchen, während Experten versuchen, die Infektion einzudämmen.

Während sich die Welt auf eine mögliche Pandemie vorbereitet, wird der thailändischen Öffentlichkeit geraten, sich auf so etwas wie eine Erkältung einzustellen. Ist das nicht krank?

Übersetzung eines englischsprachigen Artikels aus der Bangkok Post.
Erschienen in der TIP-Ausgabe 2020-3.
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