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Prostitution, die CIA, David Bowie und Patpong

Foto: Wikipedia

Die beiden Straßenzüge von Bangkoks berühmtestem Rotlichtbezirk Patpong haben sich schon lange von „aufregend“ in „abgedroschen“ gewandelt – und ziehen dennoch nach wie vor tausende Nachtschwärmer an. Die Entstehungsgeschichte Patpongs kann man nun in einem brandneuen Museum erkunden, wie Tim Newton auf der Nachrichtenwebseite thethaiger.com berichtete; übersetzt von Thomas Schmid.

Wir wollen ganz am Anfang beginnen und wie Patpong zu diesem Namen gelangte. Nun, er kommt von einem chinesischen Einwanderer namens Luang Patpongpanich. Jener kaufte sich das Grundstück, als es lediglich eine Bananenplantage inmitten weiter Reisfelder am Rande Bangkoks gewesen ist. Während des zweiten Weltkriegs studierte sein Sohn Udom in den USA, wo er sich auch dem „Office of Strategic Services“ (OSS) anschloss, dem Vorläufer der CIA. All diese Details werden im neu eröffneten Patpong-Museum beleuchtet. In dieser Hinsicht ist das Museum weitaus mehr als lediglich ein Streifzug durch die schlüpfrige Geschichte von Pingpong-Shows und Go-go-Bars. Das Museum erörtert zum Beispiel auch die faszinierende Rolle, welche die Straße während des Vietnamkrieges spielte, genauso wie den hohen Stellenwert, den sie als „Ort des Dampfablassens“ bei amerikanischen Soldaten innehatte.

Doch wie entwickelte sich der Standort eigentlich von seinen Agrikultur-Anfängen zu einem der weltweit berühmtesten Rotlichtbezirke – und zwar schon lange bevor Soi Cowboy und Nana Plaza überhaupt aus der Taufe gehoben wurden? Im Jahr 1930 adelte König Prajadhipok (Rama VII) den Einwanderer Poon Pat in Anerkennung dessen Gründung [der bis heute bestehenden] Zementfirma Siam Cement im Jahr 1921. Poon Pats Familie war 1881 aus China ins damalige Siam übergesiedelt. Aus Poon Pat wurde durch die Adelung Luang Patpongpanich. Seinen Sohn Udom schickte Luang zum Studium in die Vereinigten Staaten. Dort, im US-Bundesstaat Georgia, ließ sich Udom 1945 sodann vom OSS zum Agenten ausbilden. Ob der Vater darüber Bescheid gewusst hatte, ist nicht bekannt. Was wir jedoch wissen, ist, dass die Patpongpanich-Familie sich ein Jahr später für den damals stolzen Preis von 3.000 US$ die Bananenplantage erwarb. In den 1950er-Jahren ließ Udom durch das Grundstück sodann eine Straße verlegen, die man in Anlehnung an den Familiennamen Patpong taufte und entlang der Ladenzeilen errichtet wurden.

Im Verlauf der 1950er – also zum Höhepunkt der „Roten Gefahr“, welche die Amerikaner in Angst und Schrecken versetzt hatte – verwandelten sich manche der Ladengeschäfte in Patpong zu Operationsbasen verschiedener CIA-Agenten, die von hier aus Waffentransporte an unterschiedliche antikommunistische Guerillagruppen in der Region koordinierten. Auch diese Aktivitäten, die mehr oder weniger „geheim“ verliefen, sind im Museum dokumentiert. Doch es waren nicht nur die Amerikaner, die sich Patpong als „Basis“ auserkoren hatten, weiß Museumskurator Michael Messner. Ein ehemaliger Soldat der kaiserlich-japanischen Armee namens Mizutani, der nach dem Krieg in Bangkok hängen geblieben war, eröffnete zu dieser Zeit die allererste Bar der Straße, die auch als Restaurant fungiert und bis spät in die 1990er bei Insidern und Nostalgikern (einschließlich dieses Übersetzers!) populär blieb. Er benannte sie nach sich selber. „,Mizu’s Kitchen‘ wurde von einem japanischen Ex-Soldaten betrieben, dem es hier in Patpong so sehr gefiel, dass er nach dem Krieg einfach dablieb“, erzählte Messner.

Und „Mizu“ (wie er von seinen Bekannten und Kunden gerufen wurde) blieb nicht der Einzige, dem die Straße zusagte. Um die Mitte der 1960er fanden immer mehr kriegsmüde US-Soldaten auf der Suche nach Zerstreuung und Spaß ihren Weg nach Patpong. Die Nachfrage führte zur Eröffnung von immer mehr Bars – und zunehmend auch von der Art, in der „gewisse Dienstleistungen“ angeboten wurden … sofern man danach anfragte. Andere Pioniere der Patpong-Szene jener Zeit umfassten aber auch die „US Information Service Library“ (eine freie Bibliothek für US-Militärangehörige) sowie ein „sicherer Unterschlupf“ (Safe House) im Stockwerk gleich über der Madrid-Bar. Nach dem Abzug der Amerikaner wurde der „sichere Unterschlupf“ zwar aufgelöst, doch die Madrid-Bar selber verblieb noch viele weitere Jahre lang regelmäßiger Treffpunkt inzwischen „ausgemusterter“ bzw. in den Ruhestand getretener ehemaliger CIA-Agenten und deren Entouragen. Es ranken sich viele weitere solcher Anekdoten um Patpong; und alle tragen sie der farbenfrohen Mythologie zu, die sich um diesen berühmten Straßenzug aufgebaut hat. Es war allerdings erst in den 1970ern, als Patpong dann auch von Touristen „entdeckt“ und in Beschlag genommen wurde. Und der Rest, wie man so schön sagt, ist Geschichte.

„Ich möchte behaupten, dass der Name ‚Patpong‘ heute so ziemlich jedem zumindest vom Hörensagen ein Begriff sein dürfte“, sagte Messner. „Dennoch wissen nur wenige wirklich über Patpong Bescheid. Die meisten assoziieren die Straße lediglich mit dem dann doch sehr eng gesteckten Geschäftskonzept der ,Pingpong-Show‘. Ja, das gibt es. Patpong ist aber dennoch so viel mehr – und genau das vermitteln wir in unserem Museum.“ Die 300 Quadratmeter der Ausstellung dokumentieren so ziemlich jeden Aspekt dieser faszinierenden Ecke Bangkoks. Auch die Pingpong-Shows. Irre, aber wahr: Im Museum findet man die Silhouette eines Barmädchens an einer Wand, in deren Leistengegend eine Pingpong-Maschine eingebaut ist, welche Bälle ausspuckt, die Besucher dann auffangen können. Messner beschrieb die Vorrichtung verschmitzt als „interaktives Ausstellungsstück“. „Wenn man schon in die Patpong kommt, dann muss man einfach einmal eine solche Show gesehen haben“, merkte er an. Und was hat der in der Überschrift erwähnte David Bowie mit Patpong zu tun? Nun, im Jahr 1983 stattete er der Straße einen Besuch ab, um hier Teile eines Musikvideos abzudrehen. Danach, so munkelt man bis heute, sei er eine reichliche Weile lang im Wirrwarr der damals schon sehr vielfältigen Unterhaltungsbetriebe untergetaucht.

Patpong-Museum

• Gebäude 5, 2. Stock, direkt unter der Black Pagoda Bar auf Patpong Soi 2

• Geöffnet täglich 10–23 Uhr

• Tel. +66 91 887 6829 (nur Englisch)

• Eintrittspreis 350 Baht, einschließlich Headphone mit Museumsführung auf Englisch, Chinesisch, Französisch, Italienisch, Japanisch oder Spanisch (leider noch kein Deutsch)

• Ebenfalls im Ticketpreis inbegriffen ist ein eiskaltes Glas Bier oder – wahlweise – ein Softdrink

• Ein Museumsladen verkauft Souvenirs, einschließlich Pingpong-Bälle (unbenutzte, wohlgemerkt!)

Patpong – Ein geschichtlicher Abriss

1881: Tun Phu, Begründer der heutigen Patpongpanich-Dynastie, wird in Hainan (China) geboren und seine Familie wandert noch im selben Jahr nach Siam aus.

1900: Tun Phu ändert seinen Namen in Poon Pat und heiratet in Bangkok.

1916: Sohn Udom wird geboren.

1921: Poon Pat gründet Siam Cement.

1930: König Prajadhipok adelt Poon Pat, der sich sodann Luang Patpongpanich nennt.

1945: Udom reist zum Studium in die USA und lässt sich noch im gleichen Jahr vom OSS anwerben.

1946: Die Patpongpanich-Familie erwirbt eine Bananenplantage für 3.000 US$ (wahrscheinlich mit Udoms OSS-Geld) – die heutige Patpong.

1950: Luang Patpongpanich stirbt. Udom baut eine Straße und lässt Ladenzeilen errichten. Er überredet wichtige ausländische Firmen wie Caltex, Shell und Air France, ihre Bangkoker Büros in der Straße einzurichten. „Mizu’s Kitchen“, Patpongs erstes Bar-Restaurant, eröffnet ebenfalls.

1958: CIA-Agent Anthony A. Poshepny (genannt „Tony Poe“) richtet eine Operationsbasis in Patpong ein, von der aus er Waffenlieferungen an chinesische Kuomintang-Truppen in Birma koordiniert, die gegen die Kommunisten in China kämpfen.

1964: Patpong mausert sich zu Bangkoks wichtigstem Geschäftsbezirk – allerdings nur Untertags. Bei Einbruch der Nacht verwandelt sich die Straße in einen Unterhaltungsdistrikt.

1965: Der Vietnamkrieg bringt die ersten US-Soldaten nach Bangkok, die in Patpong nach Zerstreuung suchen. Die von der CIA betriebene „geheime“ Fluggesellschaft Air America eröffnet ein Operationsbüro in Patpong.

1969: Die Madrid Bar wird eröffnet und gedeiht schnell zum beliebten Treffpunkt von Air America Piloten.

1969: Der ehemalige US-Soldat Rick Menard eröffnet die „Grand Prix Lounge + Bar“, in der zum allerersten Mal Go-go-Tänzerinnen auftreten. (Die Bar bleibt bis Ende der 90er-Jahre bestehen; Anmerkung d. Übersetzers)

1972: Patpongs legendäre „Mississippi Queen Go-Go Bar“ wird eröffnet, gefolgt in schneller Reihenfolge von weiteren gleichartigen Etablissements.

1972: Patpong erweitert sich die enge, heute als „Patpong 2“ bekannte Parallelstraße. Es ist vor allem dort, wo die „unartigsten“ Shows dargeboten werden; zumeist im 2. Stock, damit die Polizei bei Razzien länger benötigt, um dort hinaufzukommen.

1974: Tony Poe setzt sich mit seiner Ehefrau zur Ruhe und verbleibt in Bangkok. Seine Lebensgeschichte inspiriert den Charakter des Oberst Kurtz in dem Hollywood-Spielfilm „Apocalypse Now“.

1978: Patpong wird dank des mit einem Oscar gewürdigten Spielfilms „The Deer Hunter“ weltberühmt, denn die legendäre Barszene wurde in der „Mississippi Queen“ gefilmt.

1983: David Bowie besucht Bangkok für ein Konzert. Außerdem dreht er sein gesamtes Musikvideo für das Lied „Ricochet“ in der Superstar Go-Go-Bar in Patpong ab.

1988: Jean Claude Van Damme dreht die Anfangsszenen seines Films „Kickboxer“ in Patpong.

1991: Der Nachtmarkt wird zum ersten Mal auf Patpong eröffnet – und kostet die Straße leider viel an verruchter Atmosphäre.

2003: Teile des thailändischen Spielfilms „Beautiful Boxer“ über den Transgender „Muay Thai“-Boxchampion Parinya Charoenphol werden in Patpong abgedreht.

2004: Patpong wird zur einer von drei offiziellen „Unterhaltungszonen“ Bangkoks deklariert, was es den dort angesiedelten Betrieben und Bars erlaubt, länger geöffnet zu bleiben.

2011: Die Einleitung des Dokumentarfilms „Whores Glory“ von Michael Glawogger wird in der Black Pagoda Bar gefilmt.

2019: Das Patpong-Museum eröffnet und bietet dadurch zum allerersten Mal eine informative Ausstellung über die Geschichte der weltberühmten Straße an.

Erschienen in der TIP-Ausgabe 2020-2.
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