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Landwirtschaft: Kein Verbot ohne Rückgrat

Die drei giftigen Substanzen Paraquat, Chlorpyrifos und Glyphosat dürfen weiterhin in der Landwirtschaft verwendet werden. – Foto: TIP-Archiv

Es ist ein weiterer Sieg für große Unternehmen der Agrarchemie und eine Gruppe von Staatsbeamten, die das Verbot der Verwendung von drei giftigen Substanzen – Paraquat, Chlorpyrifos und Glyphosat – ablehnten.

Industrieminister Suriya Jungrungreangkit, der den Vorsitz des Komitees zur Kontrolle gefährlicher Substanzen (NCHS) führte, beschloss, das Verbot von Glyphosat aufzuheben, das ursprünglich am 1. Dezember 2019 hätte in Kraft treten sollen. Stattdessen beschränkte er die Verwendung dieser Chemikalie.

Was Paraquat und Chlorpyrifos betrifft, verschob er das Verbot um sechs Monate auf den 1. Juni 2020 und beauftragte das Landwirtschaftsministerium, geeignete Alternativen zu finden, die die giftigen Chemikalien ersetzen könnten.

Die Entscheidung wurde unter dem Druck von Farmern getroffen, die gegen das Verbot demonstrierten und argumentierten, dass das Verbot die Produktionskosten erhöhen würde. Sie forderten sogar den Rücktritt der stellvertretenden Landwirtschaftsministerin Mananya Thaiset von der Bhumjaithai-Partei, die sich mutig für das Verbot eingesetzt hatte – und das trotz Widerstand von Beamten zuständiger Behörden. Allen voran Mitarbeitern im Landwirtschaftsministerium, denen an einem Verbot am wenigsten gelegen war.

Die Kehrtwende, nur wenige Tage vor dem geplanten Inkrafttreten des Verbots, zeugt davon, dass wieder einmal mächtige Agrarchemie-Riesen sowohl über dem Staat als auch über der Politik stehen. Die Kehrtwende spricht auch Bände über die Ignoranz unserer Farmer, denen Geld wichtiger ist als die eigene Gesundheit und die Umwelt.

Sie widersetzten sich entschieden den Studienergebnissen, die zeigten, wie Rückstände der giftigen Chemikalien in unsere Nahrungsketten und in unser Verdauungssystem gelangen und wie solche Rückstände sogar von Müttern über die Muttermilch an Säuglinge weitergegeben werden können. Das Gesundheitsministerium gab an, dass es mindestens 6000 gemeldete Erkrankungen gibt, die mit der Verwendung dieser giftigen Chemikalien in Verbindung gebracht wurden, wobei es auch einen Zusammenhang mit Todesfällen geben könnte.

Es gibt keine Garantie dafür, dass das NCHS-Komitee das Verbot am 1. Juni nicht erneut verschiebt.

Tatsächlich war die Kehrtwende für viele wenig überraschend. Die Behörden wandten alle bekannten Taktiken an, um das Verbot zu verhindern. Überraschend war vielleicht nur, wie sich die bereits erwähnte Vize-Landwirtschaftsministerin Mananya für das Verbot starkgemacht hatte.

Nach der Ankündigung am 22. Oktober, dass das Verbot am 1. Dezember in Kraft trete, beschäftigte sich das Landwirtschaftsministerium mit einer Online-Umfrage, in der es darum ging, ob man nun für oder gegen das Verbot sei. Da schien keine Zeit zu bleiben, sich mit Alternativen im Falle eines Verbots zu beschäftigen.

Bei dieser Fragebogen-Aktion sprachen sich über 70 Prozent oder rund 40.000 Befragte gegen das Verbot aus. Die Zahlen gaben den Befürwortern der Chemikalien eine Ausrede, das Verbot zu verzögern. Damit hatten sie auch Erfolg.

Die skandalöse Beschlussfassung zeigt, so kommentierte Ploenpote Atthakor, dass sich das NCHS-Komitee geradezu schamlos nicht dazu verpflichtet hat, die Sicherheit von Lebensmitteln in Thailand durch das Verbot dieser gefährlichen Substanzen zu erhöhen, die in einer Vielzahl von Ländern bereits aus dem Verkehr gezogen wurden.

Tatsächlich überrascht es nicht, dass das Komitee sich dem Wunsch der Agrarriesen fügte, denn diese sind sehr mächtig.

Mit der Entscheidung stehen jedoch neue Probleme ins Haus.

Zunächst haben einige Ausschussmitglieder tapfer den Standpunkt vertreten, die Behauptung des Vorsitzenden zu bestreiten, dass die Entscheidung über die Kehrtwende einstimmig war.

Professorin Jiraporn Limpananond, Dozentin an der Fakultät für Pharmazie der Chulalongkorn-Universität, schied aus Protest sogar aus dem Gremium aus. Sie diente dort als Expertin.

Sie argumentierte, dass es keinen Konsens und keine Transparenz bei dieser Entscheidung gab. Sie muss sehr gelobt werden, weil sie sich für die Wahrheit eingesetzt hat.

Die Vertreter des Gesundheitsministeriums haben ebenfalls ihre negative Haltung gegenüber den Chemikalien beibehalten, was den Behauptungen des Kommissionsvorsitzenden Suriya völlig widerspricht.

Ich hoffe, der Rücktritt von Jiraporn und die feste Position der Gesundheitsbehörden in dieser Angelegenheit können als Anlass für Umweltschützer dienen, ihren Kreuzzug gegen die giftigen Chemikalien weiter voranzutreiben.

Wir sind uns natürlich bewusst, dass das Verbot dieser Chemikalien nicht einfach sein wird, zumal sich ein Verbot in Bezug auf die herkömmlichen Anbaumethoden gravierend auf die Farmer auswirken würde.

Auch das Landwirtschaftsministerium wird viel arbeiten müssen, um den Übergang in der Landwirtschaft zu erleichtern, sobald auf diese Chemikalien verzichtet werden muss. Es gibt viele Möglichkeiten, aber die Lethargie im Landwirtschaftsministerium macht das Verbot schier unmöglich.

Wir wissen bereits, dass es ein Kinderspiel ist, etwa tausend Farmer zu einem sogenannten Protest nach Bangkok zu holen, wie wir es im November gesehen haben.

Ich erinnere mich, wie ein Farmer, ein überzeugter Befürworter der Chemikalien, sich über das mögliche Verbot ärgerte. Er versuchte die Medien von der „Sicherheit“ der Chemikalien zu überzeugen und sagte: „Ich habe sie so lange benutzt und nichts Schlimmes ist passiert. Ich kann meine Produkte immer noch verkaufen.“

Der Farmer rühmte sich sogar damit, dass ausländische Käufer seine Produkte bisher auch nicht ablehnten.

Er mag Recht haben, aber das wird wohl nicht mehr lange dauern, und dann bleibt ihm nicht viel Zeit, auf sicherere Anbaumethoden umzustellen.

Wird dieser Farmer die Verantwortung für entstandene Schäden übernehmen, wenn seine Produkte im Ausland wegen toxischer Kontaminierung zurückgewiesen werden? Dann wird nicht nur der Ruf der Landwirtschaft leiden, sondern das Image des ganzen Landes steht auf dem Spiel.

Ganz zu schweigen von den Schäden, die dieser Farmer und seine Kollegen dem Boden und den Wasserressourcen des Landes zufügen.

Was die ständige, klischeehafte Antwort betrifft, dass Gemüse, das nicht mit Chemikalien behandelt wurde, oder Bioprodukte im Allgemeinen zu teuer sind, so frage ich, ob man sich jemals Gedanken darüber gemacht hat, wie viel Geld der Staat für Farmer ausgibt, die unter den Nebenwirkungen des Chemikalieneinsatzes leiden? Und was ist mit den Verbrauchern, die erkranken, weil zu viel Chemie in den Nahrungsmitteln ist?

Sogar das Gesundheitsministerium hat zugegeben, dass diese Chemikalien gesundheitsschädlich sind.

Da wir jedoch gezwungen sind, weiterhin mit diesen drei Chemikalien zu leben, möchte ich eine faire Praxis vorschlagen – eine eindeutige Kennzeichnung, damit die Verbraucher das Recht haben, zu wählen. Und das meine ich ernst! Es gibt Länder, in denen auf jeder Packung steht, was in dem Produkt enthalten ist – auch wenn es sich um vollkommen harmlose Zutaten handelt.

Wenn der Staat die Verwendung dieser drei extrem giftigen Substanzen weiterhin zulässt, dann sollte wenigsten auf Lebensmittelpackungen stehen, welche Art von Gift man kauft.

Falls der vorerwähnte Farmer jedoch recht hat und einige Leute immer noch meinen, es spiele keine Rolle, welche Chemikalien in dem Gemüse sind, das sie kaufen, dann wünsche ich guten Appetit.

Übersetzung eines englischsprachigen Artikels aus der Bangkok Post.
Erschienen in der TIP-Ausgabe 2020-1.
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