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Chiang Mai – Der Wendepunkt

Bei Chiang Mai denken viele an Tempel, Berge und viele Touristen. – Foto: Pixabay

Die feste Überzeugung, dass Chiang Mai die Stadt ist, die die Experten besiegt (mueang prab sien), ist ein Gefühl, das es schon seit Jahrzehnten gibt. Es bezieht sich auf die Schwierigkeit eines Außenstehenden, hier ein Unternehmen zu gründen, das erfolgreich wird. Das Sprichwort verkündet sowohl Demut als auch Stolz: Einerseits gibt es das unbestrittene Fachwissen des Außenseiters zu, andererseits behauptet es, dass der Außenseiter zum Scheitern verurteilt ist, weil er als unfähig empfunden wird, die Kultur zu assimilieren oder sich in sie und die Gemeinde zu integrieren. Daher, so heißt es, wird der Geschäftsmann als Außenseiter in Chiang Mai keinen Erfolg haben, und sein Geschäft wird scheitern.

Mit seiner eigenen Kultur, Sprache und Traditionen wurde Chiang Mai von Bangkok nie vollständig verstanden, wahrscheinlich ist es auch genau umgekehrt. Es ist jedoch schon bemerkenswert, wie viele neue Newcomer-Unternehmen im Laufe der Jahre nicht erfolgreich waren. Aber wird es immer so sein? Ist das heutige Chiang Mai an einem Wendepunkt angelangt? Droht der Stadt angesichts der Industrialisierung und einer stetig wachsenden Tourismusbranche der Verlust ihrer Kultur, ihrer Gemeinschaft und ihrer Identität?

„Die Leute verlieben sich in Chiang Mai“

„Der geographische Grund, der absolute Grund, warum Chiang Mai nie industrialisiert wurde, ist, dass Chiang Mai keinen Hafen hat“, erklärte Khuned Sachdev, Chef von iLab, der mehrere Geschäftsinteressen sowohl in Bangkok, aus dem er stammt, als auch in Chiang Mai hat, das er jetzt sein Zuhause nennt. „Wo es keinen Hafen und keinen Zugang zum Meer gibt, sind die Chancen für die Produktion äußerst gering. Mit der industriellen Revolution, die Chiang Mai unberührt ließ, kam es hier zu keinem entscheidenden sozialen Wandel von der Landwirtschaft zu einer urbanisierten, industrialisierten Konjunktur mit Menschen, die in Eigentums- und Mietwohnungen leben und in Fabriken arbeiten, wie im Rest von Thailand.“

So blieb Chiang Mai die Hektik des schnellen Übergangs von der Agrar- zur Industriegesellschaft erspart, und in der Vorstellung der Einwohner von Chiang Mai ist Thailand endlich das Gelobte Land geworden, in dem Milch und Honig fließen.

„Die Industrialisierung hat im Laufe der Entwicklung enorme soziale Auswirkungen“, sagt Khuned. „Chiang Mai ist der einzige Ort, an dem Menschen und Gesellschaft nicht aus der Landwirtschaft vertrieben wurden. Deshalb gibt es die schönen Weiler, wenn man außerhalb der Stadt herumfährt.

Die Hälfte der Leute, die nach Chiang Mai kommen, um ein Unternehmen zu gründen, kommt hierher, weil sie hier leben wollen. Die Leute verlieben sich in Chiang Mai, und ihr Wunsch, hier erfolgreich zu sein, wird mehr als in jedem anderen Teil Thailands von ihren Gefühlen als von rationalem Denken genährt. Chiang Mai ist der einzige wirkliche Ort, an dem man in Thailand ein qualitativ hochwertiges Leben führen kann.“

Thailänder und Ausländer sind gleichermaßen von der rustikalen, ländlichen Landschaft begeistert dem entspannten Lebenstempo, und sie meinen manchmal, ein Geschäft gründen zu wollen und es langsam angehen zu lassen, obwohl sie es sich in Wirklichkeit nicht leisten können.

„Wenn man sich ansieht, wie viel Aufwand sie betreiben müssen, um hier einen Baht zu verdienen, denken viele der Leute, die aus Bangkok kommen, wenn sie das vorher gewusst hätten, wären sie nicht gekommen“, sagte Khuned. „Die Schönheit von Chiang Mai ist als Ort mit agrarischem Lebensstil in einer noch nicht vollständig urbanisierten Umgebung exponentiell gewachsen. Bedenken Sie dabei, dass es sich um eine Hochkultur in den Bergen handelte, mit Kunst, Schrift und Linguistik, lokalem Handwerk und niedrigem Einkommen. Dann haben Sie das, was eine gute Basis für den Tourismus darstellt.“

Tourismus ist ein Fluch

Der Fluch des Öls ist der Effekt, der häufig auftritt, wenn ein Land, das relativ wenig entwickelt ist, auf Öl stößt. In der Regel weist ein solches Land dann tendenziell ein geringeres Wirtschaftswachstum, weniger Demokratie und schlechtere Entwicklungsergebnisse auf als Länder mit weniger natürlichen Ressourcen.

Der Tourismus hat ähnliche Auswirkungen auf die thailändische Wirtschaft. Und der Tourismus wächst weiter. 1997 trug der Tourismus fünf bis sechs Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei und beschäftigte direkt oder indirekt zwölf Prozent der Einheimischen. Heute macht der Tourismus 20 Prozent des BIP aus, und in der Branche sind 25 Prozent der Thais beschäftigt.

„Die Regierung ist jetzt vollständig auf den Tourismus angewiesen“, sagte Khuned. In unseren Köpfen ist jetzt verankert, dass der Tourismus weiter wachsen wird, egal was wir tun, egal wie viele Leute nach Thailand kommen. Wir sind also darauf angewiesen – und jetzt hat Lethargie eingesetzt.

Wenn man sich in Vietnam umsieht oder irgendwo anders, sieht man, dass es den Drang gibt, einen Job haben zu wollen, in dem man gut ist, in dem man etwas lernt, den man behalten will. Und das ist in Thailand nicht relevant.

Daher gibt es jetzt einen Rückgang des Levels bei den Dienstleistungen und einen Rückgang bei der Fürsorge und Liebe zu den Touristen. Ich beschuldige nicht die Touristen, ich beschuldige die Politik. Sie können nicht 40 Millionen Besucher pro Jahr ins Land holen.

Und wenn man ein riesiges Ölfeld entdeckt und daher alles andere vernachlässigt, was tut man dann? Man pumpt pro Tag immer mehr Öl aus dem Boden.

In Bezug auf den Tourismus wirkt sich das jetzt auf Thailand aus, und in einem Teilkontext davon auch in Chiang Mai. Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, an dem Chiang Mai seinen Charme und sein Image verliert.“

Der stellvertretende Vorsitzende der Handelskammer von Chiang Mai, Kobkit Issaracheyawat, ist der Ansicht, dass der Tourismus möglicherweise nicht die langfristige Antwort ist, auch aufgrund des Mangels an Mehrfachbesuchern.

„Die Touristen kommen nur einmal nach Chiang Mai oder vielleicht zweimal, also müssen wir viel Energie und Ressourcen auf der Suche nach neuer Kundschaft stecken, um unser Geschäft dauerhaft und nachhaltig zu gestalten“, erklärte er.

„Es ist schwierig, ein Geschäft für Touristen maßzuschneidern, da sich die Kunden ständig ändern. Die Höhen und Tiefen der Hoch- und Nebensaison klaffen derartig weit auseinander, dass selbst viele gute Geschäfte in Schwierigkeiten geraten. Eine gute Beziehung zu Touristen ist schwieriger als eine zu Einheimischen.“

Khuned sagte: „Ich finde, der Tourismus ist an einem Wendepunkt angelangt. Er fügt Chiang Mai schwere Schäden zu. Ich glaube, Chiang Mai sollte seine Tourismuskapazität einschränken und auf eine sehr hochwertige Landwirtschaft umsteigen. Ich denke, die Leute werden das mitmachen.“

Chiang Mai und die Zukunft

„Braucht Chiang Mai eine vierte Ringstraße? Das ist nur ein Paradebeispiel dafür, wie sich Infrastruktur kontraproduktiv auf Chiang Mai auswirken kann“, fuhr Khuned fort. „Das sind Stadtentwicklungspläne, die eher nach Amerika passen und auf der Anzahl von Fahrzeugen basieren.“

Es sei an der Zeit, Alarm zu schlagen. „Ich möchte, dass die Gemeinde Chiang Mai zumindest ein Mitspracherecht bei der künftigen Entwicklung der Stadt selbst hat. Man sollte nicht an Bangkok denken, sondern die Dinge auf globaler Ebene sehen. Es gibt Leute, die helfen können, die Entwicklung dieser Stadt besser zu verstehen. Die Entwicklung von Chiang Mai hängt davon ab, wie stark die Politik zentralisiert ist“, sagte Khuned.

Chiang Mai ist in Bezug auf Finanzierung, Planung und allen anderen Dingen mehr oder weniger von Bangkok abhängig. Alle Provinzen hängen von Bangkok ab. Ohne Bangkoks Zustimmung und Finanzierung kann politisch nichts geschehen, weil Thailand ein zentralistisch regiertes Land ist. Daher scheint es unwahrscheinlich, dass Chiang Mai den Kurs ändern kann, auch wenn die Stadt dies möchte. Eine starke lokale Führung mit entsprechenden politischen Rechten wäre nötig, um eine Planungsinitiative anführen zu können.

„Aber wenn es das Bedürfnis oder die Nachfrage gibt, denke ich, gibt es eine Möglichkeit“, sagt Khuned. „Besonders in der heutigen Ära der sozialen Medien, in der es möglich ist, Vorschläge zu veröffentlichen und damit die öffentliche Meinung voranzutreiben. Das geteilte Wort ist mächtig. Gemeinschaft ist mächtig. Wenn das nicht passiert, fahren wir einen schlechten Kurs. Wenn wir einen industriellen Ansatz verfolgen, bei dem wir uns an Zentral-Thailand orientieren, wird Chiang Mai bald von Bangkok noch abhängiger sein.“

Die Uhr tickt, denn es entstehen immer mehr Ringstraßen, die Hotels schießen wie Pilze aus dem Boden, und es gibt immer mehr Eigentumswohnungen. Versucht Chiang Mai, Bangkoks Taktik zu übernehmen? Die Immobilienentwicklung, die unnötige Infrastruktur, die Suburbanisierung, eine Zement- und Tourismuswirtschaft?

„Noch ist es nicht zu spät“, sagte Khuned, „aber wenn man bis zur neuen Straße nach San Khampaeng fährt, gibt es keine Reisfelder mehr. Deren Wert verfällt. Erreichen wir einen Punkt, an dem das ganze Tal nur noch aus Beton besteht? Was ist dann der wirkliche Wert von Chiang Mai?“

Verschiedene ausländische Experten sind der Ansicht, dass der Tourismus der Wirtschaft als Ergänzung dienen sollte. Er kann ein Weg sein, die lokale Identität zu stärken und die Erhaltung einer Kultur oder Landschaft zu finanzieren, aber er sollte nicht ausschließlich die Konjunkturgrundlage sein. So sehr der Tourismus als Tor zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung angesehen wird, so schnell kann er zu einer Falle werden. Zur Touristenfalle.

Übersetzung eines englischsprachigen Artikels aus chiangmaicitylife.com.
Erschienen in der TIP-Ausgabe 2020-2.
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