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Internet: Der Schein trügt

Hand ragt aus dem MonitorFoto: pixabay

Thais sind sehr nett. Wir helfen gern unglücklichen Seelen, um gute Verdienste für unser Karma zu sammeln. In einer Zeit, in der sich jeder problemlos über soziale Medien vernetzen kann, haben sich die Methoden, diese Verdienste zu erwerben, geändert und erweitert.

Menschen, die zuvor in Tempeln und an Wohltätigkeitsorganisationen physische Spenden geleistet haben, setzen sich jetzt dafür ein, Einzelpersonen – oftmals Fremden – zu helfen, die sie online sehen.

Bilder von kranken Hunden, Katzen, Menschen oder sogar eine Aufforderung zur Blutspende erscheinen wöchentlich in unseren Facebook-Feeds. Die Bitte um Hilfe – kombiniert mit berührenden Geschichten und Fotos – bewegt immer unsere Herzen. Und es dauert nicht lange, bis viele von uns helfen, vor allem durch eine schnelle Spende.

Ein solcher Fall betraf jüngst einen ehemaligen Schauspieler, der an Tuberkulose erkrankt war. Er war monatelang krank, arbeitsunfähig und hat zudem eine kranke Mutter.

Nachdem Nachrichten über seinen Zustand online rege geteilt worden waren, überschütteten die Internetnutzer den Schauspieler nur so mit Spenden, damit er es sich leisten konnte, für seine Medikamente zu bezahlen.

Später stellte er erneut Videoclips online, beklagte seinen schlechten Zustand und bat um Hilfe. Die Postings enthielten normalerweise seine Kontonummer.

Sowohl die Internetnutzer als auch die Medien ahnten bald, dass etwas faul war an dieser Geschichte. Er bettelte weiter um Hilfe, was viele dazu veranlasste, sich über die Art seines Zustands Gedanken zu machen, und ob die bislang geleisteten Spenden wirklich nicht ausgereicht hatten, seine Arztrechnungen und die Medikamente zu bezahlen.

Sehr schnell begann ein Detektivspiel, das zu der Entdeckung führte, dass er und seine Mutter in ein großes Haus gezogen sind (das er angeblich für nur 2000 Baht im Monat anmietete). Vor dem Haus stand ein Auto. Der Garten wurde saniert, ein Fischteich angelegt. Da gibt es auch einen Mann, der mit ihm und seiner Mutter zusammenlebt.

Die Höhe der Spenden wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben, und es wurde berichtet, dass er solche Informationen nur ungern preisgeben wollte. Das aber änderte sich bald, denn in einer Fernsehsendung sagte er, er habe rund acht Millionen Baht an Spenden erhalten. Er bat dennoch weiterhin um Spenden, weil er das Geld für seine alte Mutter sparen wollte. Das meiste Geld soll jedoch auf dem Konto seines Freundes eingezahlt worden sein.

Später wurde auch bekannt, dass Tuberkulose unter das 30-Baht-Gesundheitssystem fällt, was bedeutet, dass er seine Medikamente praktisch kostenlos hätte erhalten können.

Natürlich ist die breite Öffentlichkeit aufgebracht. Viele sagten, dass sie es jetzt bedauern, ihm geholfen zu haben oder dass er ihnen überhaupt leidgetan hat. Die Leute fühlen sich betrogen. Niemand mag es, ausgenutzt zu werden, besonders dann nicht, wenn jemand diesen Akt der Nächstenliebe und Ausdruck des Mitgefühls missbraucht. Und so ist dieser Fall jetzt zu einer Warnung im Umgang mit sozialen Medien und Online-Verdiensten geworden. Wir können nicht allem vertrauen, was wir sehen.

Dank moderner Technologie können viele Prozesse im Handumdrehen ausgeführt werden. Durch soziale Medien können Informationen mit einem einzigen Klick weiter und umfassender als je zuvor unter das Volk gebracht werden. Mobile Banking hilft beim schnellen Bezahlen. Und wenn in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft etwas geplant wird, nehmen wir uns nicht die Zeit, um innezuhalten und über alles nachzudenken, was wir vor uns sehen.

Wir handeln manchmal beinahe aus einer Laune heraus. Wir handeln aufgrund von flüchtigen Emotionen und nicht immer aufgrund rationaler Gründe oder Logik. Das kann auf alles zutreffen, angefangen von Verdiensten über gefälschte Nachrichten bis hin zu Online-Einkäufen.

Wir teilen, kaufen ein und geben Geld für Dinge aus, die uns in gewisser Weise gut tun. Wir überlegen nicht immer, ob es wirklich das ist, was wir brauchen oder ob es echt ist.

Was sollen wir in diesem Fall als Gesellschaft tun? Sollten wir in Zukunft, wenn wir vor einem weiteren Online-Spendenaufruf stehen, weniger freundlich und weniger mitfühlend zueinander sein? Wie vorsichtig müssen wir sein, bevor wir uns entscheiden, Kontakt aufzunehmen und zu helfen? Wie gründlich müssen wir recherchieren oder prüfen, bevor wir bei einem Notruf Geld an völlig fremde Personen überweisen? Oder ist es besser, einfach stillzustehen und wegzuschauen, wenn wir nicht wissen, wem wir tatsächlich vertrauen können? Macht uns Vorsicht zu einem herzlosen Menschen?

Auf jeden Fall ist die Öffentlichkeit jetzt vorsichtiger oder sollte es zumindest sein, wenn sie Social-Media-Postings sieht, in denen um Spenden gebeten wird. Diejenigen, die in großen Schwierigkeiten sind und Hilfe benötigen, werden wahrscheinlich die wirklichen Opfer sein.

Aber haben wir von diesem Fall dauerhaft gelernt? Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir es herausfinden.

Erschienen in der TIP-Ausgabe 2019-9

 

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