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Exotisches Thailand?

FilmausschnittFoto: Szenenbild aus „Only God Forgives“ von Nicolas Winding Refn

Eine neue Retrospektive beschäftigt sich mit der Frage, wie das Land über die Jahrzehnte von ausländischen Filmemachern gesehen wurde.

Das thailändische Filmarchiv präsentiert auch noch im August ein Programm mit historischen und zeitgenössischen Filmen über Thailand aus der Sicht nicht-thailändischer Filmemacher. Angefangen von Chang (1927) bis Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) oder Soi Cowboy (2009) und Pop-Aye (2017).

Einer der ersten Filme, die in Siam gedreht wurden, war Nangsao Suwan (Suvarna Of Siam) aus dem Jahr 1922 des amerikanischen Filmemachers Henry MacRae. In den letzten 100 Jahren wurde Siam – später Thailand – fotografiert, präsentiert und in unzähligen Filmen internationaler Filmemacher dargestellt, die mit ihren Kameras und vielleicht auch Vorurteilen angereist waren.

Wie haben sie Thailand gesehen? Was sind die repräsentativen Bilder des „exotischen“ Königreichs (Elefanten, Mönche, schöne Frauen)? Und wie wird die Realität durch diese Augen reflektiert, erfunden oder verzerrt?

„Exotic Thailand?“ zeigt ein Programm mit 14 Filmen, die in Thailand von internationalen Regisseuren gedreht wurden, darunter historische Filme wie Chang: A Drama Of The Wilderness (1927), A Handful Of Rice (1940) und Yutthana Siriporn (1963) sowie zeitgenössische Filme wie Der Mann mit dem goldenen Colt (1974), Butterfly Man (2002), Soi Cowboy (2009), Only God Forgives (2013), The Forest (2017) und Pop-Aye (2017).

Der Traum vom „Exotischen“ hat die Filmemacher seit der Erfindung des Kinos dazu gebracht, die Welt zu bereisen. Der erste von Nicht-Thailändern in Thailand gedrehte Film war Suvarna Of Siam, eine Liebesgeschichte von 1922 mit einer thailändischen Besetzung und unter Regie des amerikanischen Filmemachers Henry MacRae. Der Film ist leider verloren gegangen, es blieben nur noch ein paar Fotos.

Im Jahr 1927 kam Merian C. Cooper hierher, um Chang: A Drama Of The Wilderness zu drehen, eine Art Katastrophenfilm mit einer wütenden Herde wilder Elefanten, die in den ländlichen Dörfern von Siam Chaos anrichten. (Cooper kehrte in die USA zurück und drehte später King Kong und die weiße Frau aus dem 1933, den ersten King-Kong-Film.)

Die Feststellung ist schon interessant, dass Elefanten neben anderen Symbolen weiterhin als Repräsentanten Thailands von Ausländern in fast allen Filmen verwendet werden.

Der schwedische Film A Handful Of Rice (1940) zeigt eine landwirtschaftliche Gesellschaft und das ländliche Leben anhand einer Dokudrama-Erzählung. Yutthana Siriporn (1963) ist ein deutscher Film, der die Stadtlandschaft Bangkoks in den 1960er Jahren und einen buddhistischen Ritus darstellt – der materielle und spirituelle Orient treffen in diesem Film zusammen.

In späteren Jahrzehnten ist das Bild Thailands, das durch die fremde Linse betrachtet wird, eine reiche Mischung aus ehrlicher Perspektive und romantischem Orientalismus, was durch die Ankunft von US-Soldaten während des Vietnamkrieges noch verstärkt wird. Zu den Schlüsselbildern zählen neben den bereits erwähnten Elefanten vor allem Mönche, Buddhismus, traumhafte Strände, siamesisches Lächeln, Bars, Geister, Frauen der Nacht, heruntergekommene Viertel usw.

James Bond erlebte in Thailand im Film Der Mann mit dem goldenen Colt tolle Abenteuer. Koh Tapu wurde durch den Film zu einer ultimativen Ikone Thailands. Die Insel wird seitdem auch James-Bond-Island genannt.

The Elephant King (2006) ist ein nüchternes Porträt zweier Brüder in Chiang Mai, während The Hangover 2 (2011) eine weniger nüchterne, wild übertriebene Exotisierung des Königreichs darstellt. Dann gibt es noch Soi Cowboy (2009), einen Arthouse-Film, der die Beziehung zwischen einer Thai und einem Europäer auf den Prüfstand stellt.

Einige dieser Filme zeigen Thailand auf eine Art und Weise, die kein thailändischer Film zeigen möchte, und während einige eine exotische Sichtweise bieten, haben andere einen klaren Blick darauf, wie dieses Land und seine Menschen wirklich aussehen – für Außenstehende jedenfalls.

Das Exotische bedeutet sowohl Gelassenheit als auch Gefahr, und es gibt eine Reihe von Filmen, die beide Extreme angehen, wie zum Beispiel der in Singapur produzierte Film Pop-Aye (2017), der die Geschichte eines Thais erzählt, der einen Elefanten in seine Heimatstadt zurückbringen will.

Only God Forgives (2013) des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn mit Ryan Gosling und Vitthaya Pan-sringam ist ein blutgetränkter Gangsterthriller, in dem keine Elefanten vorkommen. Doch die Hauptfigur heißt Chang, und das bedeutet Elefant.

Dann wäre da noch Bangkok Dangerous (1999), eine Thai-Hitman-Geschichte von Hongkonger Regisseuren sowie nicht zu vergessen Lost In Thailand (2014), ein chinesisches Roadmovie, das der Auslöser für den chinesischen Massentourismus in Thailand war.

Das Programm „Exotisches Thailand?“ enthält auch Filme von Tom Waller, einem thailändischen Regisseur/Produzenten irischer Abstammung, der Butterfly Man (2002) inszenierte. Eine eigenwillige thailändische Erzählung über einen britischen Touristen und eine thailändische Masseuse. Ghost Of Nak (2005), wurde von einem britischen Regisseur gedreht und orientiert sich an der bekannten thailändischen Mae-Nak-Legende.

Am 17. August wird es eine Diskussion zwischen Tom Waller und Wikanda Phromkhunthong, einem Filmdozenten an der Mahidol-Universität, über die „exotische“ Qualität Thailands in Filmen damals und heute geben und wie Thailand in den letzten 100 Jahren auf der Kinoleinwand dargestellt wurde.

Das Programm läuft noch bis zum 29. August im Filmarchiv. Das vollständige Programm finden Sie auf fapot.org oder auf der Facebook-Seite von Thai Film Archive.

Übersetzung eines englischsprachigen Artikels aus der Bangkok Post.
Erschienen in der TIP-Ausgabe 2019-8
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